Mellnau Newsletter Februar/März 2026
Mellnau Newsletter Februar/März 2026

Mellnau Newsletter Februar/März 2026

Sonderausgabe zur Kommunalwahl 2026

In dieser Ausgabe des Mellnau Newsletters geht es um die bevorstehende Wahl der Stadtverordnetenversammlung in Wetter. Redaktionsschluss für diese Ausgabe war am 14.02.2026.

Transparenzhinweis: Der Autor dieses Newsletters kandidiert auf der Liste der SPD für die Stadtverordnetenversammlung.

Wer tritt zur Wahl an

Drei Listen bewerben sich um die 31 Mandate der Wetter’schen Stadtverordnetenversammlung:

Wer tritt nicht an? Und warum?

In der ablaufenden Wahlperiode bestand die FDP in der Stadtverordnetenversammlung nur noch aus einer Person, sie tritt nun als parteiloses Mitglied auf der Liste der SPD mit an. Innerhalb der Linken gab es im April 2024 eine Abspaltung: die Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung benannte sich um in “Unabhängige Liste” und blieb es auch bis zum Ende der ablaufenden Wahlperiode. Der Ortsverband Wetter der Linken schaffte es nicht, zur Kommunalwahl wieder eine eigene Liste aufzustellen.

Sowohl im Jahr 2020 als auch 2025 gab es Bestrebungen, eine Bürgerliste für Wetter zur formieren – in beiden Fällen hat es nicht geklappt. Warum? Am Ende scheiterte es an der Anzahl der Leute, die es hierfür braucht. Zur Einordnung: Wetter hat rund 80 Vereine, 10 Ortsbeiräte und das Stadtparlament. Jeder Verein braucht mindestens 3 Vorstände, jeder Ortsbeirat im Schnitt mindestens 5 Leute sowie weitere 31 Stadtverordnete. Allein für die Aufrechterhaltung dieser Strukturen sind rund 330 ehrenamtliche Jobs zu vergeben. Wohlgemerkt: wir reden hier nur von der Verwaltung. Die Feuerwehr-Einsatzgruppen, die Sportmannschaften, die Chöre und Posaunenspieler kommen alle noch oben drauf. Von rund 9.000 Einwohnern sind etwa 18 % unter 20 und 7 % über 80 Jahre alt. Selbst wenn man diese Gruppen nicht vollständig herausrechnet, zeigt sich: Die Zahl der Menschen, die dauerhaft ehrenamtliche Verantwortung übernehmen können, ist begrenzt. Der Mellnauer Kuckuck erklärte in seiner Ausgabe 1/2020, was es mit dem Ehrenamt in unserer Region auf sich hat.

Die AfD hatte am Samstag, den 7. Februar 2026, einen Infostand in Wetter. Ob der Kreisverband ernsthaft versucht, hier eine neue Struktur aufzubauen, ist unklar.

Die FWG tritt zwar – auch mit Mellnauer Beteiligung – für den Kreistag an, sie treten jedoch nicht für die Stadtverordnetenversammlung an.

Für was ist die Stadt überhaupt zuständig?

Die Zuständigkeit der Stadt ist recht breit – mitunter ist es aber auch etwas verwirrend. Ein paar Beispiele:

  • Die Stadt unterhält zusammen mit Cölbe und Lahntal einen gemeinsamen Bauhof, der im Winter die Gemeindestraßen räumen soll. Gemeindestraßen sind mehrheitlich die Straßen innerhalb der Siedlungen. Nicht zuständig ist die Stadt jedoch für die Räumung der Kreis- oder Bundesstraßen.
  • Die Stadt finanziert die Kinderbetreuung in Wetter, einer der großen Punkte im städtischen Haushalt. Dazu unterhält sie eigene Kindergärten mit eigenen Mitarbeitern. Gleichzeitig gibt es aber auch einen freien Träger (die Arche), der von der Stadt bezuschusst wird und dafür seine Mitarbeiterschaft selber verwaltet.
  • Baumaßnahmen: Städtische Kindergärten muss die Stadt selber bauen und unterhalten, die Grundschulen im Stadtgebiet werden vom Landkreis gebaut und unterhalten. Ähnlich bei der Feuerwehr: die Feuerwehrstützpunkte werden aus städtischen Mitteln bezahlt, der Katastrophenschutz kommt vom Landkreis.
  • Die Stadt muss sicherstellen, dass man beispielsweise seinen Personalausweis oder Reisepass in Wetter beantragen kann. Wer ein Fahrzeug zulassen will, muss dafür aber zum Landratsamt nach Marburg.

Zu den regelmäßig wichtigsten Entscheidungen der Stadt gehört, wie hoch sie die Beiträge für die Grund- und Gewerbesteuer ansetzt. Grundsteuer und Gewerbesteuer sind die wichtigsten Einnahmenquellen der Stadt. Wie es um die städtischen Finanzen bestellt ist, wird hier erklärt.

Typische Missverständnisse rund um die Stadt

Auf der Stadt wird öffentlich mitunter herumgehauen, weil etwas augenscheinlich seltsam läuft. Nun, manchmal läuft wirklich etwas schief – gelegentlich kommt es aber auch vor, dass etwas Hintergrundwissen fehlt. Hier eine Einordnung typischer “Argumente”, wie sie im Vorfeld der Wahl vielleicht auch im eigenen Umfeld vorkommen.

  • Aussage: “Meine Grundsteuer ist um 1600% gestiegen! Statt 25 Euro zahle ich jetzt 400!”
    Einordnung: Seit dem 1.1.2025 gilt in Hessen ein neues Berechnungsmodell für die Grundsteuer. Einzelne starke prozentuale Steigerungen entstehen häufig dadurch, dass die Ausgangswerte zuvor sehr niedrig waren. Nehmen wir zur Einordnung bewusst einen höheren Betrag: 1.000 Euro Grundsteuer im Jahr. Das entspricht rund 83 Euro im Monat oder etwa 2,75 Euro pro Tag. Mit diesen Einnahmen werden unter anderem gemeindliche Straßen, Wasser- und Abwassernetze, Feuerwehr, Verwaltung, Winterdienst, Friedhöfe sowie Teile der Kinderbetreuung finanziert. Zudem fließen Mittel über Umlagen an den Landkreis, der damit Schulen, Teile des Rettungsdienstes und weitere Aufgaben finanziert. Zum Vergleich: Ein privater Winterdienst für etwa 25 Meter Straße kostet in Marburg für eine Saison bereits mehrere hundert Euro.
  • Aussage: “Man sieht halt wie wichtig wir unseren Politikern sind. Sie sparen das Geld für unsere Sicherheit und hauen es an der anderen Ecke raus!”
    Einordnung: Im städtischen Haushalt wird nirgends Geld “rausgehauen”, dafür ist er einfach zu klein. Wetter gab in 2025 rund 18 Millionen Euro aus, die detaillierte Aufschlüsselung sieht man ab Seite 9 im Haushaltsplan. 36% des Geldes gehen für gesetzliche Umlagen drauf, 21% fürs Personal, 23% für Sach- und Dienstleistungen. Da ist nicht viel Raum für “raushauen”. Und was die öffentliche Sicherheit angeht: die Polizei wird vom Land Hessen finanziert und ausgestattet. Sicherheit im kommunalen Kontext können bspw. die Straßenbeleuchtung, Videoüberwachung oder auch Geschwindigkeitskontrollen sein.
  • Aussage: “Wenn man kein Geld hat, darf man doch auch keine neue Stadthalle bauen wollen!”
    Einordnung: Seit über 15 Jahren liegen der Stadt Berichte vor, die darauf hindeuten, dass es der Stadthalle nicht gut geht. Dies betrifft sowohl das Dach, aber auch das Fundament. Was vielleicht nicht jedem bekannt ist: die Stadthalle steht teilweise auf Stelzen. Diese Stelzen waren jahrelang im Wasser, was für das Material gut verkraftbar war. In den letzten Jahren ist der Wasserspiegel jedoch gesunken, wodurch Luft an Stellen kam, die bisher nass waren – und das ist nicht gut. Allein die Betonsanierung der Gründungsbauteile wurde Ende 2024 auf 1,4 Millionen Euro geschätzt. Die Lüftung, Elektroinstallationen, Heizung sowie die Sanitäranlagen und die energetische Sanierung der Fassade kommen da noch obendrauf. Problem: selbst wenn alle Reparaturen durchgeführt werden können und dürfen, bleibt die Halle grundlegend so, wie sie ist. Regelmäßig hört die Kommunalpolitik, wir müssten uns stärker auf Katastrophen- und Spannungsfälle vorbereiten, die Resilienz solle erhöht werden. Im Neubau hätte man das leichter mitdenken können als in der Reparatur des Altbaus. Und ob die Reparatur wenigstens finanziell günstiger wird als der Neubau, wird sich erst noch zeigen müssen.

Das heiße Eisen: Straßengebühren

Wenn Straßen neu gebaut oder grundhaft saniert werden müssen, wird es für die Anleger teuer – und das wird zunehmend ein Problem. Repariert die Stadt einen Quadratmeter Straße, kostet das rund 250 Euro. Wird eine Straße neu gemacht liegen wir ganz grob bei 500 Euro. Reparaturkosten trägt die Stadt, Neubau bzw. grundständische Erneuerung wird anteilig auf die Anwohner umgelegt. In Mellnau sind der Försterweg, Rennweg, Am Rain, Im Haingarten und die Alte Höhle laut einem städtischen Sanierungskonzept aus dem Jahr 2023 in dieser Kategorie. Rechnet man die Straßenabschnitte überschlagsmäßig zusammen, kommt man auf rund 4.000 Quadratmeter, also rund 2 Millionen Euro – wohlgemerkt: für 5 Straßen in einem Stadtteil.

Dass die Stadt bestimmte Bauvorschriften einhalten muss, ist so. Dass unsere Straßen immer stärkeren Belastungen standhalten müssen, ist ebenso Fakt. Und dadurch wird es eben teuer. Eine jährlich zu zahlende, regelmäßige Gebühr mag eine Lösung für dieses Problem sein – günstiger wird es dadurch aber aller Voraussicht nicht. Der im Sanierungskonzept 2023 festgestellte Rückstau an grundständigen Erneuerungen beläuft sich auf rund 80.000 Quadratmeter Straße. Eine Alternative zur Straßengebühr ist, komplett auf diese Gebühr zu verzichten und alles aus Steuermitteln zu bezahlen – was in der Konsequenz aber heißen würde, dass die Grundsteuer weiter steigt. Das Problem bleibt komplex.

Klimaveränderung und Daseinsvorsorge

Klimaschutz ist für eine Stadt wie Wetter keine akademische Debatte, sondern eine Frage kommunaler Verantwortung. Starkregen belastet unsere Kanalisation. Trockenphasen schwächen Wälder und Böden. Hitzeperioden treffen besonders ältere Menschen. Das betrifft alle zehn Stadtteile – nicht irgendwann, sondern bereits heute. Die Stadt kann das Weltklima nicht steuern. Sie entscheidet jedoch, ob wir vorsorgen oder abwarten. Klimaanpassung heißt konkret: Hochwasserschutz planen, Baugebiete so ausweisen, dass sie auch in 30 Jahren noch funktionieren, kritische Infrastruktur absichern, Energieversorgung resilienter machen. Das sind kommunale Entscheidungen. Und sie kosten Geld – Spielräume sind im Haushalt kaum vorhanden. Wer Klimaschutz für übertrieben hält, wird gegen solche Investitionen argumentieren. Wer das Risiko sieht, wird dafür stimmen. Die Alternative ist einfach: nichts tun und hoffen, dass es uns nicht trifft. Nur: Wenn in zehn oder zwanzig Jahren Schäden entstehen, wird niemand fragen, ob es gerade politisch bequem war zu warten. Dann wird gefragt werden, warum man trotz vorhandener Erkenntnisse nicht gehandelt hat. Es geht nicht um Moral. Es geht um Prioritäten. Wer heutige Entlastung über zukünftige Handlungsfähigkeit stellt, trifft eine bewusste politische Entscheidung. Und diese Entscheidung trifft die Kommunalpolitik.

Transparenz im Bürgerinformationssystem

Das Bürgerinformationssystem wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und bietet heute einen umfassenden Einblick in die kommunale Arbeit. Haushaltspläne, Einladungen und Sitzungsunterlagen sind dort zentral und übersichtlich zugänglich. Wer sich ein eigenes Bild machen möchte, findet hier eine fundierte Informationsbasis. Auch die ehrenamtlich tätigen Kommunalpolitiker arbeiten auf Grundlage dieser öffentlich einsehbaren Unterlagen. Das System schafft damit Transparenz und Nachvollziehbarkeit für alle, die sich für die Entscheidungen vor Ort interessieren. https://sessionnet.owl-it.de/stadt_wetter/bi/info.asp


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Der Newsletter wird ehrenamtlich herausgegeben von Andreas W. Ditze. Themenwunsch für den nächsten Newsletter, Lob und Kritik an andreas.ditze@mellnau.de

Die An- und Abmeldung ist auf der Startseite von https://www.mellnau.de (ganz unten) möglich.